Vertreter der Wirtschaft berichten, dass sich die rechnerische Lücke zwischen freien Ausbildungsstellen und Bewerbern dieses Jahr "in Richtung Nulllinie" bewegen könne. Bedeutet das "Ausbildung für alle"?
Umfrage des DIHK zum Thema "Ausbildung"
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat eine Online-Unternehmensbefragung zum Thema "Ausbildung" durchgeführt. Mehr als 10.000 Unternehmen aller Größen und Branchen haben sich daran beteiligt.
Martin Wansleben, der Hauptgeschäftsführer des DIHK, stellte die Ergebnisse vergangene Woche in Berlin vor.
Seine Botschaften:
- Die Betriebe bieten mehr Ausbildungsplätze an.
- Es gibt ein Plus bei den neuen Ausbildungsverträgen.
- Die Lehrstellenlücke schrumpft.
Bis Ende September könnte sich die rechnerische Lücke zwischen angebotenen Ausbildungsplätzen und suchenden Bewerbern "in Richtung Nulllinie bewegen".
Laut der Umfrage könne bald eine "Qualitätslücke" entstehen. Die Unternehmen würden bereits jetzt schon nicht ausreichend geeignete Auszubildende finden.
68% der Betriebe gaben an, dass sie Ausbildungsplätze nicht besetzen konnten, da keine geeigneten Bewerbungen vorgelägen hätten. Als Grund für dieses Ausbildungshemmnis gaben knapp 52% der Betriebe die "mangelnde Ausbildungsreife der Schulabgänger" an.
Aus Sicht der Betriebe sind Spitzenreiter bei den Mängeln bezüglich der Ausbildungsreife die Bereiche
- "mündliches und schriftliches Ausbildungsvermögen" (65%)
- "elementare Rechenfertigkeiten" (53%)
- "Leistungsbereitschaft und Motivation" (50%)
Die schulische Vorbildung müsse verbessert werden. Dazu würden laut der Umfrage über die Hälfte der Unternehmen einen Beitrag leisten, indem sie mit allgemein bildenden Schulen kooperieren.
Und das sagt der DGB dazu:
"Die Strategie des DIHK ist durchsichtig: Erfolge vor der Zeit verkünden, und wer keinen Ausbildungsplatz ergattert, ist eben nicht 'ausbildungsreif'.", kritisiert Ingrid Sehrbrock, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).
Wichtig sei laut Sehrbrock, was mit den so genannten "Altbewerbern" geschehe. Das sind die Jugendlichen, die sich schon seit mehreren Jahren bewerben. Im September 2006 lag die Zahl dieser Altbewerber laut Bundesagentur für Arbeit bei 385.000.
Auf den Internetseiten des DIHK gibt es die komplette
Umfrage als pdf-Download (13 Seiten).




